Bewässerung im Gemeinschaftsgarten – Eine Umfrage

Im Rahmen von LUZI, unserem Labor für Zukunftsfragen und Innovation, haben wir Interviews mit zehn urbanen Gemeinschaftsgärten aus dem Ruhrgebiet geführt. Dabei wurden Fragen zum Wasserverbrauch, der Bewässerungsstrategie und Optimierungsbedarfen gestellt. Bei der Auswertung der Interviews sind ähnliche Handhabungen und Probleme im Bezug auf die Wasserversorgung zu erkennen, ebenso wie zahlreiche Tipps und Tricks. Vielen Dank an alle, die uns für ein Interview zur Verfügung standen! Im Folgenden werden wir die Ergebnisse kurz darstellen.

Viele Gärten haben ein großes Team von Interessierten, die gerne in den Garten kommen und gelegentlich bei der Gartenarbeit und Bewässerung helfen. Allerdings gibt es meist nur ein kleines Kernteam von ein paar Menschen, die kontinuierlich helfen.

Die Gründung der interviewten Gärten ist unterschiedlich lange her. Ein Garten besteht bereits seit 1998, viele Weitere sind zwischen 2001 und 2004 entstanden.

Viele urbane Gärten setzen mittlerweile auf den Einsatz von Hochbeeten. Insbesondere im städtischen Gebiet mit viel Bodenversiegelung nutzen einige Gärten ausschließlich Hochbeete. Allerdings zeigten die Interviews, dass vermehrt nach Möglichkeiten für richtige Beete gesucht werden, da die Beässerung dort ein geringeres Problem darstellt. Interviewte Personen beklagten sich über die schnelle Austrocknung von Hochbeeten.

Die Größe der Gärten ist sehr unterschiedlich. Der kleinste interviewte Garten umfasst drei Hochbeete, der Größte 40 .

Hauptthema des Interviews ist das Thema Wasserverbrauch. Den meisten Gärten fiel es sehr schwer, genaue Angaben zum Wasserverbrauch in Litern zu treffen. Da viele der Befragten ihren Garten an das städtische Leitungsnetz angeschlossen haben und mit Leitungswasser bewässern, haben sie keinen Überblick über die Menge des Verbrauchs. Ein Garten schätzt den Wasserverbrauch auf ca. 100 Liter bzw. 10 Liter pro Hochbeet pro Woche. Andere Aussagen variieren zwischen 60.000 Litern und 625.00 Litern im Jahr.

Woher das Wasser zum Gießen kommt, ist relativ ähnlich. Fast alle Gärten nutzen IBCs, die an Dachflächen angeschlossen sind. Einige Gärten, besonders die größeren außerhalb der Innenstädte, haben einen Teich oder Brunnen. Einige Gärten nutzen ausschließlich Wasser aus dem Trinkwasseranschluss. Nur ein Garten nutzt technisierte Lösungen im großen Stil in Form eines Gießcomputers mit Zeitschaltuhr und Tröpchenbewässerung. Dabei gehen alle paar Stunden automatisch die Wasserhähne auf und das Wasser verteilt sich über ein Rohr-Beregnungssystem. Alle anderen Gärten nutzen zur Verteilung des Wassers ausschließlich Schläuche und Gießkannen. Als gut funktionierender Tipp wurde die Verwendung von Ollas, eingegrabenen Tontöpfen als Wasserspeicher, empfohlen.

Die immer heißer werdenden Sommer machen sich bei vielen urbanen Gärten bemerkbar. Gerade bei der ausschließlichen Nutzung von Regenwasser zum Bewässern kommt es seit ein paar Jahren häufig zu Wasserknappheit. Einige Gärten berichten, dass es etwa 2-3 mal pro Jahr zu Wasserengpässen in Form von leeren IBCs kommt, wenn in personders heißen Perioden wenig Regen fällt und gleichzeitig viel Wasser verbraucht wird. Da viele allerdings ans Leitungsnetz angeschlossen sind, sind diese Tage im Jahr zu überbrücken.

Im Sommer kommen die beteiligten Personen häufig täglich zum Gießen und ansonsten alle paar Tage. Einige Garten-Gruppen beklagen sich über Probleme in der Kommunikation, da nicht alle Leute wissen, was genau zu tun ist und wie man richtig gießt. Zur Absprache werden überall Kommunikationsmittel wie Telegram, Signal, WhatsApp oder Doodle genutzt, fast niemand nutzt mehr Listen auf Papier. In Urlaubszeiten hilft man sich gegenseitig und findet kurzfristig Ersatz für den Gießdienst. Ferien- und Urlaubszeiten scheinen bei allen urbanen Gärten kein großes Problem darzustellen.

Fast alle Gärten sagen, dass es Verbesserungsdarf bei der Bewässerung gibt. Manche wünschen sich mehr Technik und automatische Bewässerungssysteme, andere einfach nur mehr Speicherkapazität in Form von Wassertanks und Brunnen oder überhaupt eine Möglichkeit um Regenwasser zu nutzen. Die Verteilung von Wasser ist bei vielen ein wichtiges Problem, da lange Strecken überbrückt werden müssen oder andere Grundstücke bei der Bewässerung mit Schläuchen gekreuzt werden. Viele Gärten wünschen sich Standleitungen, die liegen bleiben können oder Tröpfchenbewässerung. Außerdem müssten die Menschen mehr geschult werden, wie man richtig gießt und Wasser spart. Gerade bei sehr wechselnden und großen Gruppen stellt dies ein Problem dar.

Bei den Interviews sind viele kreative Ideen und Tricks genannt worden, um den Wasserverbrauch zu verringern, den Kapillareffekt zu stoppen und Verdunstung einzudämmen. Die folgende Grafik zeigt eine Zusammenstellung der Tipps und Tricks:

Bei der Frage, ob sich die Beteiligten mit technischen Lösungen für die Wasserversorgung beschäftigen, kamen sehr unterschiedliche Antworten. Sehr viele tun dies nicht, da sie ohnehin kein Geld, keine Zeit oder kein Interesse an technisierten Gärten haben. Andere haben schon Interesse an mehr technischer Unterstütznung beim Gießen, sind bisher aber noch nicht aktiv geworden. Ein urbaner Garten forscht selber an technischer Bewässerung. Insgesamt haben sehr viele Gärten grundsätzlich Interesse an Austausch über technische Lösungen und Ergebnisse anderer Gärten und deren Experimente.

Der bisherige Einsatz von Technik im Garten fällt insgesamt sehr gering aus. Viele Gärten haben keinen Stromanschluss auf dem Gelände. Einige wenige nutzen eine solarbetriebene Pumpe für den Brunnen oder Bachlauf. Ein Garten hat eine Solaranlage auf dem Dach und nutzt den Strom für die Ventilatoren vom Gewächshaus.

Das Gartenwissen ist vielfältig und beruht hauptsächlich auf Austausch und Quellen aus dem Internet. Folgende andere Medien werden zur Information und Weiterbildung genutzt:

Eine Strategie um sowohl den Wasserverbrauch als auch die Gießhäufigkeit für die Gemüseproduktion in Hochbeeten massiv zu senken, kann der Bau von wasserspeichernden Hochbeeten sein. Im Internet existieren zahlreiche Bauanleitungen für verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Formen, Größen und Materialien. Das LUZI-Team hat zwei Prototypen von wasserspeichernden Hochbeeten auf dem Gelände des Union Gewerbehofs aufgebaut. Nach etwa zwei Monaten Betrieb sind wir begeistert über die Ergebnisse. In nächster Zeit möchten wir das Thema Wasserverbrauch im (Gemeinschafts)garten weiterverfolgen und unsere Erfahrungen mit anderen Gärtnerinnen und Gärtnern teilen.

Artikel und Grafiken: Eva Hoppmanns